Fokus ADHS – Bewegung als Chance

Grundlagen

Im Sport treffen Leitende und Lehrpersonen immer wieder auf Personen mit ADHS. Ein grundlegendes Verständnis der Besonderheiten hilft, das Verhalten besser einzuordnen und Trainings- oder Unterrichtssituationen entsprechend zu gestalten. Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick über zentrale Merkmale von ADHS und zeigt auf, welche Auswirkungen diese auf den Alltag und das Selbstbild von Betroffenen haben können.

Fokus ADHS – Bewegung als Chance: Grundlagen
Foto: PluSport

Was ist ADHS?

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Besonderheit der Informationsverarbeitung und gilt als Entwicklungsstörung. Sie wird meist im Kindesalter diagnostiziert, tritt aber auch im Erwachsenenalter auf.

Sie zeigt sich vor allem in drei Erscheinungsformen:

  • vorwiegend unaufmerksames Erscheinungsbild
  • vorwiegend hyperaktiv-impulsives Erscheinungsbild
  • gemischtes Erscheinungsbild (kombiniert)

Betroffene haben beispielsweise Mühe, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten, die relevanten Reize herauszufiltern, sind sehr bewegungsaktiv oder handeln spontan, ohne vorher nachzudenken.

Vertiefende Informationen zu Diagnosekriterien unter


Unterschiedliche Ausprägungen

ADHS tritt in verschiedenen Ausprägungen auf. Manche Kinder sind sehr impulsiv und ständig in Bewegung, anderen fällt es schwer, ihre Impulse und Bedürfnisse zu kontrollieren. Es gibt aber auch Kinder, die eher verträumt wirken und den Fokus schnell verlieren. Häufig kommen zusätzlich weitere Besonderheiten vor, sogenannte Komorbiditäten, zum Beispiel Lernschwierigkeiten, Angststörungen oder motorische Unsicherheiten. Bei rund 30 % der Kinder und Jugendlichen mit ADHS zeigen sich auch autistische Symptome. Das stellt Betreuung und Begleitung häufig vor zusätzliche Herausforderungen.

Mythen und Missverständnisse

Rund um ADHS existieren viele Mythen und Missverständnisse. So wird ADHS manchmal als «Mode-Diagnose» oder als Ausrede für unerwünschtes Verhalten betrachtet. Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen ist dies jedoch eine reale Herausforderung. Gleichzeitig ist ADHS keine Frage von mangelnder Motivation, Disziplin oder Erziehung.

Auswirkungen auf Alltag und Selbstbild

Im Alltag – auch im Sport oder im Unterricht – können die Symptome zu Missverständnissen führen. Betroffene erleben häufig, dass sie kritisiert werden oder «nicht funktionieren». Da gesellschaftliche Rahmenbedingungen (z. B. Frontalunterricht oder langes Sitzen) oft nicht optimal auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind, fühlen sie sich mit ihrer Art häufig nicht verstanden oder wertgeschätzt.

Wenn Kinder mit ADHS kritisiert werden, reagieren sie oft mit Rückzug oder Wut, weil sie die Kritik nicht immer richtig einordnen und verarbeiten können. So geraten sie in einen Teufelskreis. Das kann das Selbstwertgefühl belasten und zu Stigmatisierung führen. Umso wichtiger ist ein verständnisvoller Umgang, der nicht nur Schwierigkeiten sieht, sondern auch Ressourcen wahrnimmt und bestärkt.

ADHS als Stärke

Heute wird ADHS zunehmend im Kontext der Neurodiversität betrachtet. Dieser Ansatz geht davon aus, dass Menschen unterschiedlich denken, lernen und handeln – und dass diese Vielfalt Teil menschlicher Normalität ist. Viele Menschen mit ADHS bringen wertvolle Stärken mit. Dazu gehören unter anderem…

  • viel Energie
  • Kreativität
  • eine ausgeprägte Empathiefähigkeit
  • Begeisterungsfähigkeit
  • Spontanität
  • die Fähigkeit zum Hyperfokus bei besonders spannenden Aufgaben
  • ein starkes Gerechtigkeitsempfinden.

Gerade im Sport können diese Eigenschaften sichtbar werden. Mit klaren Strukturen, verständlicher Kommunikation und einem unterstützenden Umfeld können J+S-Leitende und Lehrpersonen dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS ihre Stärken einbringen und positive Bewegungserfahrungen machen.

Im schulischen Kontext fällt es Kindern mit ADHS häufig schwer, Freundschaften zu knüpfen. Im Sport hingegen gelingt ihnen dies oft leichter. Dieses Potenzial sollte gezielt gefördert werden. Leitende von Sportangeboten können dadurch aktiv dazu beitragen, den Selbstwert und die Selbstwirksamkeit dieser Kinder zu stärken.

Weitere Informationen zu ADHS finden sich bei folgenden Fachorganisationen: