Die vier Aufmerksamkeitsformen
Kinder wechseln ständig zwischen verschiedenen Formen der Aufmerksamkeit. Mal nehmen sie vieles um sich herum wahr, mal fokussieren sie sich auf ein Detail oder auf ihren eigenen Körper. Das Modell der vier Aufmerksamkeitsformen, angelehnt an Nideffer (1981), hilft Lehrpersonen zu erkennen, in welcher Form der Aufmerksamkeit ein Kind gerade ist – und wie Bewegung helfen kann, den Fokus gezielt zu verändern.

Aufmerksamkeit kann sich in verschiedene Richtungen bewegen: nach aussen oder nach innen, und sie kann dabei weit oder eng sein. Aussen weit bedeutet, dass ein Kind vieles in seiner Umgebung gleichzeitig wahrnimmt. Aussen eng beschreibt den gezielten Blick auf ein einzelnes Detail. Innen weit meint das Nachdenken über mehrere Ideen, Erinnerungen oder das Wahrnehmen des ganzen Körpers. Und innen eng steht für das konzentrierte Festhalten eines einzigen Gedankens, das Spüren der Atmung oder das Wahrnehmen der Kraft in den Beinen beim Rennen.
1. Aussen weit
Das Kind nimmt die Umgebung als grosses Ganzes wahr ohne sich auf ein Detail festzulegen. Der Blick schweift, der Körper bleibt offen für alles, was rundherum passiert. Das Kind reagiert auf Bewegungen, Stimmen oder Stimmungen im Umfeld. Die Aufmerksamkeit ist weit geöffnet wie ein grosser Kreis um das Kind herum.
2. Aussen eng
Hier richtet das Kind seine Aufmerksamkeit gezielt auf etwas Bestimmtes und die Augen suchen gezielt nach etwas Bestimmtem. Der Blick ist fokussiert, der Körper folgt diesem Fokus. Alles andere tritt in den Hintergrund, damit das Kind bei einer Aufgabe bleiben und es sich ganz auf diese Aufgabe konzentrieren und diese Schritt für Schritt angehen kann.
3. Innen weit
In dieser Form nimmt das Kind viele Körperempfindungen wahr, ohne sie bereits zu sortieren. Es ist innerlich weit offen. Es spürt mehrere innere Signale gleichzeitig: Bewegungsdrang, Atmung, Muskelspannung oder auch Gefühle und Ideen.
Warum das wichtig ist
Kinder sind nicht einfach «unaufmerksam», sie befinden sich oft in einer anderen Aufmerksamkeitsform als jener, die gerade hilfreich wäre. Wenn wir verstehen, in welcher Form ein Kind gerade ist, können wir es gezielt in die Form begleiten, die für die aktuelle Aufgabe unterstützend wirkt.



