Immer besser, nie gut genug? Perfektionismus im Sport
Wer perfektionistisch ist, setzt sich hohe Ziele und arbeitet hart dafür. Viele Trainerinnen und Trainer erleben genau diese Eigenschaften zunächst als Stärke: Athletinnen und Athleten trainieren engagiert, achten auf Details und wollen sich ständig verbessern. Die aktuelle Forschung zeigt jedoch, dass hinter Perfektionismus unterschiedliche Mechanismen stehen, die sich sehr unterschiedlich auf Leistung und Wohlbefinden auswirken können. In diesem Blog erfahren Trainerinnen und Trainer, wie sie Athletinnen und Athleten unterstützen können, ihre Ziele zu verfolgen, ohne unter ihren eigenen Ansprüchen zu leiden.

Autorin: KI-gestützt redigierter Text, Manuela Müller (Verantwortliche Fachbereich Sportpsychologie und Coach Developer), Trainerbildung Schweiz
Im Spitzensport ist der Spielraum für Fehler oft verschwindend gering. Wie Andrew P. Hill (2026) treffend formuliert: «Die Fehlertoleranz im Sport ist so gering, dass selbst kleinste Fehler extrem kostspielig sein können». In einer Welt, in der Millisekunden und Millimeter über Höchstleistungen entscheiden, gilt Perfektionismus oft als gute Voraussetzung für Erfolg. Doch: Was gilt es, im Umgang mit Perfektionismus zu verstehen und beachten?
«Zwischen Ehrgeiz und Anerkennung»
Gonçalo ist 22 Jahre alt und Trampolinathlet. Trainer-/innen würden ihn wohl als «Musterathleten» bezeichnen. Er zeichnet sich durch eine hohe Trainingsdisziplin, Verlässlichkeit und einen respektvollen Umgang mit seinem Umfeld aus. Mit seiner präzisen Technik und seiner Bereitschaft, kontinuierlich an Details zu arbeiten, verfolgt er konsequent das Ziel einer makellosen Ausführung. Er beschreibt sich gar selbst als Perfektionist.
Gonçalo, welche Rolle spielt Perfektion für dich im Training und Wettkampf? Perfektion ist für mich eine Art Horizont. Ich weiss, dass ich sie wahrscheinlich nie erreichen werde, aber sie gibt mir eine Richtung vor. Im Training spornt sie mich an, nach den Details zu suchen, zu verstehen, was verbessert werden kann und eine Fertigkeit niemals als vollständig beherrscht zu betrachten. Im Wettkampf zwingt sie mich zur Präzision.
Was erhoffst du dir durch deinen Perfektionismus? Ich möchte das Gefühl erleben, genau das zu geben, was ich kann, ohne etwas zurückzuhalten. Aber mit der Zeit stelle ich mir immer mehr Fragen. Versuche ich wirklich, mich für mich selbst weiterzuentwickeln. Oder versuche ich, in den Augen anderer gut genug zu sein? Ich glaube, die ganze Schwierigkeit besteht darin, die Grenze zwischen Ehrgeiz und dem Bedürfnis nach Anerkennung zu finden.
Aspekte und Auswirkungen
Der innere Antrieb, sehr hohe Standards erreichen zu wollen, spiegelt sich im Verhalten von Gonçalo wieder. Vielleicht weil er sich die Standards selbst setzt, vielleicht aber auch weil andere (z.B. der Trainer oder Eltern) dies von ihm erwarten. Bleibt die Frage, ist dies leistungsfördernd oder nicht?
Macht Gonçalo sich auch Sorgen darüber, was passiert wenn er es nicht schafft perfekt zu sein? Die Antworten auf solche Fragen werden in der Psychologie durch zwei Modelle beschrieben: Zum einen, gegenüber wem jemand perfekt sein möchte, zum anderen, wie sich Perfektionismus im Verhalten zeigt. Gemeinsam helfen beide Modelle, Perfektionismus besser zu verstehen.
Drei Formen des Perfektionismus
Der persönliche Perfektionismus Stil ist multidimensional und enthält sowohl persönliche als auch soziale Komponenten.

Selbstorientierter Perfektionismus (self-oriented perfectionism, SOP): Beim selbstorientierten Perfektionismus setzen sich Menschen hohe eigene Massstäbe/Ansprüche, bewerten ihr Verhalten streng, neigen zu Selbstkritik bis hin zu Selbstvorwürfen. Dabei zeigt sich aber auch eine hohe motivationale Komponente. Selbstorientierte Perfektionisten streben in erster Linie nach Perfektion bei eigenen Vorhaben und sind bestrebet Misserfolge zu vermeiden.

Fremdorientierter Perfektionismus (other-oriented perfectionism, OOP): Die hohen Überzeugungen und Erwartungen an die Fähigkeiten anderer stehen beim fremdorientierten Perfektionismus im Fokus. Er ist also nach Aussen gerichtet. Der Fokus liegt auf der Perfektion anderer; ihre Leistungen werden entsprechend strenger bewertet und sie erfahren mehr Schuldzuweisung. Menschen die fremdorientierten Perfektionismus leben, fühlen verstärkt das Bestreben, die anderen beherrschen zu wollen, zu kontrollieren oder sich ihnen überlegen zu fühlen.

Sozial vorgeschriebener Perfektionismus (socially prescribed perfectionism, SPP): Das empfundene Bedürfnis, die von wichtigen Bezugspersonen vorgegebenen Standards und Erwartungen zu erfüllen, ist das zentrale Element beim sozial vorgeschriebenen Perfektionismus. Er bezieht sich auf die Überzeugung oder Wahrnehmung von Menschen, dass ihnen wichtige Bezugspersonen unrealistische Massstäbe auferlegen, sie streng beurteilen und Druck auf sie ausüben, perfekt zu sein.
Quelle: (Hewitt & Flett, 1991); Bilder: Generiert mit Chat GPT Plus
Der selbstorientierte Perfektionismus scheint mit positiven psychologischen Auswirkungen wie Motivation, erhöhter Konzentrationsfähgikeit und Coachbarkeit, verbunden zu sein. Hingegen ein erhöhtes Mass an Stress, Burnout, schwächerer Konzentrationsfähigkeit und geringerer Coachbarkeit, zeigt sich beim sozial vorgeschriebenen Perfektionismus (Almasy et al. 2025).
Mitentscheidend ist die gewählte Bewältigungsstrategie. Bei Athletinnen mit einem selbstorientierten oder sozial vorgeschriebenen Perfektionismus, die emotionale Reaktionen eher unterdrücken, zeigen sich vermehrt Selbstbeschuldigung und Grübeln. Dies führt zu niedriger Selbstakzeptanz und geringerer Selbstkompetenz. Sie neigen dazu, Misserfolge gedanklich aufzubauschen (Katastrophisieren) und Fehler ausschliesslich eigenen Defiziten zu zuschreiben (Selbstbeschuldigung) (Minichiello et al. 2024).
Werden emotionale Reaktionen hingegen gesund verarbeitet, wirkt sich der selbstorientierte Perfektionismus motivierend aus (Minichiello et al., 2024). Auch bei Gonçalo scheint sein persönlicher Perfektionismus Motivation und Disziplin, aber auch Stress und Sorgen auszulösen. Genau die beiden Dimensionen Streben und Besorgnis finden sich im Zwei-Faktoren-Modell von Stoeber & Otto (2006) wieder.
Zwei-Faktoren-Modell
Dieses Modell unterteilt die Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Perfektionismus in zwei Dimensionen:
Perfektionistisches Streben (Perfectionistic Strivings, PS): Das Streben nach einer möglichst fehlerfreien Leistung und somit der verinnerlichte Druck nach Perfektion, steht beim perfektionisitischen Streben im Vordergrund.

Perfektionistische Besorgnis (Perfectionistic Concerns, PC): Übermässige Sorgen um die Folgen von Unvollkommenheit prägen die perfektionistische Besorgnis. Sorgen Fehler zu machen, den Erwartungen anderer nicht zu genügen (Zweifel) und folglich negativ bewertet zu werden.

Quelle: (Stoeber & Otto, 2006); Bilder: Generiert mit Chat GPT Plus
Wer hohe Standards verfolgt, neigt wie Gonçalo oft auch zu hohen Sorgen. Daher ist die isolierte Betrachtung einer einzelnen Dimension irreführend. Sowohl Streben als auch Besorgnis müssen berücksichtigt werden. Ein «gesunder Perfektionismus» kann dann gelebt werden, wenn ein hohes Streben auf gleichzeitig geringe Besorgnisse trifft. Diese Personen zeigen ein höheres Wohlbefinden, bessere Leistungen und adaptive Bewältigungsstrategien.
Gonçalo, welches Risiko erlebst du in deinem Streben nach Perfektion? Das grösste Risiko besteht darin, das bereits Erreichte nicht mehr wertschätzen zu können. Man kann etwas sehr Schwieriges schaffen und sich dann nur noch an die wenigen kleinen Details erinnern, die nicht genau so waren, wie man es sich gewünscht hat. Mit der Zeit kann man schliesslich ‚Ich kann mich noch verbessern‘ mit ‚Ich bin nicht gut genug‘ verwechseln. Und das halte ich für gefährlich, denn dann wird aus dem Streben nach Perfektion zunehmend ein Verlangen nach ständiger Bestätigung. Perfektion kann zu einem Gefängnis werden, wenn man vergisst, dass sie per Definition niemals eine echte Ziellinie hat.
Wann hilft dir der Perfektionismus und wann wird er zum Hindernis? Er hilft mir vor allem, wenn ich ihn als Lupe nutze: Er ermöglicht es mir, Details zu erkennen, ständig nach Verbesserung zu streben und mich nicht mit dem Minimum zufrieden zu geben. Aber er wird zum Hindernis, wenn ich meine gesamte Leistung ausschliesslich durch das betrachte, was nicht perfekt war. Vielleicht liegt genau darin das Paradoxe: Was mich bis hierher gebracht hat, kann gleichzeitig das sein, was mich daran hindert, noch weiterzukommen. Beim Trampolinspringen muss man manchmal akzeptieren, seinem Körper zu vertrauen, einfach zu Springen, anstatt jede Bewegung kontrollieren zu wollen. Es gibt einen Punkt, an dem weiteres Nachdenken keine Verbesserung bringt. Und vielleicht beginnt echte Beherrschung genau dort, wo Kontrolle dem Vertrauen Platz macht.
Wenn Perfektionismus kippt
Entscheidend ist, wie stark die perfektionistische Besorgnisse ausgeprägt sind. Perfektionistische Athleten/-innen können motivierter sein und bessere Leistungen erzielen als weniger perfektionistische Athleten/-innen. Hohe Standards sind also okay und nicht mit einem problematischen Perfektionismus gleichzusetzen. Herrschen allerdings gleichzeitig hohe perfektionistische Besorgnisse vor, entfällt dieser Zusammenhang. Die Sorgen und Ängste den Perfektionismus nicht zu erreichen, können langfristig eher zur Belastung werden. (Hill, 2026).
Die Forschung spricht von sogenannten «Perfectionistic Tipping Points» – einem Kipppunkt. Solange die perfektionistische Besorgnis gering bleibt, kann das Streben nach Perfektion leistungsfördernd wirken. Steigen jedoch die Angst vor Fehlern und die Sorge vor negativer Bewertung stark an und überschreitet die perfektionistische Besorgnis einen bestimmten Punkt, verschwinden diese positiven Effekte oder kehren sich sogar ins Gegenteil um (Hill, 2021).
Athletinnen und Athleten erleben dann beispielsweise:
- stärkere Selbstzweifel
- Schwierigkeiten, Fehler loszulassen
- intensivere Scham- oder Schuldgefühle nach Misserfolgen,
- eine geringere Fähigkeit, Emotionen nach Wettkämpfen zu regulieren
Gerade in kompositorischen Sportarten kann dieser Kipppunkt schnell erreicht werden. Dies, da die Bewegungsästhetik und -ausführung, die von Kampfrichtern nach vorgegebenen Kriterien bewertet wird, im Zentrum steht. Kleine Fehler entscheiden über Erfolg oder Misserfolg – entsprechend hoch ist häufig die eigene Erwartung der Athleten/-innen an eine perfekte Ausführung.
Gonçalo, wie beeinflusst das Trainingsklima deinen Perfektionismus? Das Umfeld hat einen enormen Einfluss. In einer Atmosphäre, in der ich mich frei fühle, Fehler zu machen, wird mein Anspruch konstruktiv. Ich kann es versuchen, scheitern, von vorne anfangen und lernen, ohne das Gefühl zu haben, dass jeder Fehler etwas über meinen Wert aussagt. Umgekehrt kann mein Perfektionismus viel belastender werden, wenn ich zu viel Kritik oder Druck spüre. Ich glaube, ein Sportler braucht einen Ort, an dem er hervorragend sein kann, aber auch einen Ort, an dem er das Recht hat, es nicht zu sein.
Das Trainingsklima macht den Unterschied
Perfektionismus wird heute nicht mehr ausschliesslich als Persönlichkeitseigenschaft betrachtet. Auch das Umfeld spielt eine wichtige Rolle. Trainerinnen und Trainer beeinflussen durch ihre Kommunikation und ihr Verhalten das Klima innerhalb einer Trainingsgruppe. Ein perfektionistisches Klima zeichnet sich durch wiederholte Botschaften aus, wonach nur perfekte Leistungen akzeptabel sind. Dies sind die fünf Merkmale:
- Erwartungen: Fokus auf unrealistische Standards
- Kritik: harte Kritik auch bei kleinen Fehlern
- Kontrolle: kontrollierendes Verhalten mit Einschränkung der Autonomie und Einsatz von Strafen und Belohnungen.
- Bedingte Wertschätzung: Anerkennung, die an perfekte Leistungen geknüpft wird
- Ängstlichkeit: ständige Fokussierung auf Fehler und übermässige Sorge bezüglich deren Konsequenzen
Langfristig kann ein solches Klima zu psychischen Belastungen beitragen, etwa zu höheren Angstzuständen, geringerem Selbstvertrauen, weniger Freude am Sport, einer erhöhten Anfälligkeit für Burnout oder Depressionen, beeinträchtigten Freundschaften oder sogar zum Abbruch der sportlichen Aktivität (Hill & Grugan, 2020). Das bedeutet jedoch nicht, dass Trainer ihre Ansprüche senken sollen. Vielmehr geht es darum, hohe Erwartungen mit einer konstruktiven Fehlerkultur zu verbinden.
Gonçalo, was wünscht du dir von deinen Trainern/-innen bezüglich deinem perfektionistischem Streben? Ich erwarte, dass sie zwischen meinem Streben nach Fortschritt und meinem Bedürfnis, alles kontrollieren zu wollen, unterscheiden können.. Ich brauche niemanden, der mir einfach sagt, ich solle ‹weniger gut sein wollen› oder ‹weniger nachdenken›. Vielmehr brauche ich Hilfe dabei zu verstehen, wann meine hohen Ansprüche mich voranbringen und wann sie mich anfangen zu bremsen. Ein Trainer, der zu mir passt, ist jemand, der mich manchmal in die Unbequemlichkeit treibt, mich aber auch daran erinnert, dass ein Fehler meinen Wert nicht mindert. Trainer/-innen sollten den Sportler bzw. den Menschen hinter der Leistung sehen.
Was können Trainer/-innen konkret tun?
Perfektionismus lässt sich nicht einfach abschalten – und das ist auch nicht das Ziel. Vielmehr geht es darum, die leistungsfördernden Aspekte zu erhalten und gleichzeitig die belastenden Anteile zu reduzieren.
Folgende Ansätze können Trainerinnen und Trainer unterstützen:
- Hohe Standards fördern, ohne Perfektion als einzige akzeptable Leistung darzustellen.
- Fehler als Lerngelegenheiten nutzen, statt sie ausschliesslich zu bewerten.
- Den Fokus regelmässig auf Fortschritte legen, nicht nur auf Defizite.
- Autonomie und Aufgabenorientierung fördern
- Nach Wettkämpfen zuerst Gelungenes reflektieren, bevor Verbesserungsmöglichkeiten besprochen werden.
- Leistung und Person trennen. Kritik sollte sich auf das Verhalten beziehen, nicht auf den Menschen.
- Exzellenz fördern statt Perfektion (insbesondere bei jungen Athleten, da der Leistungsnutzen gering und die psychischer Anfälligkeit höher ist)
- Mentale Stärke gezielt fördern, z.B. durch:
- Selbstreflexion
- einen konstruktiven Umgang mit Rückschlägen
- Emotionsregulation thematisieren und üben
- Adaptive Strategien fördern: kognitive Strategie der Neubewertung und Relativierung schulen
- Ziele anpassen (fällt den Perfektionisten oft schwer, aber unrealistische Ziele führen zu vermehrten Versagenserlebnissen)
- Achtsamkeit: Auf Warnsignale achten wie übermässiges Grübeln, anhaltende Selbstkritik oder Erschöpfung.
- Rolle Trainer/in und Eltern: Autonomie, Kompetenz und soziale Verbundenheit stärken (kein kontrollierendes Verhalten und Leistungsdruck ausüben)
Gonçalo, was möchtest du Trainer/-innen oder Athleten/-innen mitgeben, die ebenfalls perfektionistisch veranlagt sind? Ich würde ihnen raten, auf keinen Fall ihren Perfektionismus zu unterdrücken. Denn dieser hohe Anspruch kann eine enorme Kraftquelle sein und von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich erlebt werden. Vielmehr geht es darum, mit dem Perfektionismus leben zu lernen, ohne sich von ihm definieren zu lassen.. Besser sein zu wollen bedeutet nicht, dass man heute nicht gut genug ist. Letztendlich kann man sein ganzes Leben lang nach Perfektion streben, solange man nicht glaubt, perfekt sein zu müssen, um als Mensch wertvoll zu sein.
Fazit
Entscheidend sind die persönliche Form des Perfektionismus, das Zusammenspiel von perfektionistischem Streben und perfektionistischen Besorgnissen sowie das Umfeld, das Trainerinnen und Trainer schaffen. Das Streben nach hohen Standards kann Motivation und Leistung fördern. Werden diese Ansprüche jedoch von ständiger Fehlerangst, übermässiger Selbstkritik und einem Klima begleitet, in dem nur Perfektion zählt, steigt das Risiko für emotionale Belastungen und langfristige Leistungseinbussen. Die möglichen Leistungsvorteile stehen dabei in keinem Verhältnis zu den potenziellen Risiken für die mentale Gesundheit.
Trainerinnen und Trainer können wesentlich über die Trainingskultur dazu beitragen, dass Athletinnen und Athleten hohe Ziele verfolgen, ohne unter ihren eigenen Ansprüchen zu zerbrechen. Dabei werden Fehler als Teil des Lernprozesses verstanden und gleichzeitig hohe Standards gefördert. Dies schafft die Grundlage für nachhaltige Entwicklung, sowohl sportlich als auch persönlich. Der Fokus im Sport sollte auf der Förderung von Exzellenz statt auf der Forderung nach Perfektion liegen (Kim et al., 2025).
Perfektionismus im Team
Interessanterweise zeigt die Forschung im Rudern (Hill et al., 2014), dass Perfektionismus im Mannschaftssport noch eine weitere Dimension besitzt.
Neben den eigenen Ansprüchen gibt es den teamorientierten Perfektionismus (TOP) – also die Erwartung, dass Teamkolleginnen und Teamkollegen ebenfalls höchste Standards erfüllen.
Die Erwartung hoher Standards innerhalb des Teams scheint Teams zu höheren Leistungsniveaus anzutreiben. Demgegenüber hatte die Wahrnehmung, dass andere Perfektion von einem selbst erwarten (Team Prescribed Perfectionism, TPP), keinen signifikanten Einfluss auf die tatsächliche Leistung.
Diese Ergebnisse verdeutlichen erneut, wie komplex Perfektionismus ist. Nicht jede Form wirkt sich gleich auf Leistung oder Wohlbefinden aus.
Quellen und Literatur
- Almásy, C., Soltész-Várhelyi, K., & R. Fedor, A. (2025). Self-Oriented and Socially Prescribed Perfectionism Among Hungarian Professional Folk Dancers. European Journal of Mental Health, 20, e0043, 1-21. https://doi.org/10.5708/EJMH.20.2025.0043
- Hewitt, P.L. & Flett, G. L. (1991). Perfectionism in the Self and Social Contexts: Coneptualization, Assessment, and Association With Psychopathology. Journal of Personality and Social Psychology, Vol 60, No 3, 456-470.
- Hill, Andrew P. (2026) Advances in the study of perfectionism in sport. Psychology of Sport and Exercise, 82. p. 102988
- Hill, A. P. (2021). Perfectionistic tipping points: Re-probing interactive effects of perfectionism. Sport, Exercise, and Performance Psychology, 10(2), 177–190. https://doi.org/10.1037/spy0000226
- Hill, A. P., Stoeber, J., Brown, A., & Appleton, P. R. (2014). Team perfectionism and team performance: A prospective study. Journal of Sport & Exercise Psychology, 36(3), 303–315. https://doi.org/10.1123/jsep.2013-0206
- Kim, H., Madigan, D. J., & Hill, A. P. (2025). Multidimensional perfectionism and sport performance: A systematic review and meta-analysis. International Review of Sport and Exercise Psychology.
- Minichiello H, Reasonover M and Fuglestad P (2024) The indirect effects of perfectionism on athletes’ self-views through maladaptive emotion regulation. Front. Psychol. 15:1373461. doi: 10.3389/fpsyg.2024.1373461
- Stoeber, Joachim and Otto, Kathleen (2006) Positive conceptions of perfectionism: Approaches, evidence, challenges. Personality and Social Psychology Review, 10 (4). pp. 295-319. ISSN 1088-8683.
