Umgang mit Vorurteilen beim Bewegen und Begegnen: Was siehst du?
Das Spiel wird als Stafette durchgeführt. Die Kinder oder Jugendlichen bilden zwei gleichgrosse 3-6er Gruppen und stellen sich an der Startlinie auf.
Die Lehrperson legt am Wendepunkt für jede Gruppe zwei Haufen in 2-m-Abstand mit je 6-8 Karten (3-4 Paare, siehe Download Druckvorlage) aus. Es gehören immer zwei Karten mit gleichem Farbhintergrund zusammen. Die Bilder auf den Karten sehen zwar unterschiedlich aus, bedeuten aber in verschiedenen Ländern oder Kulturen etwas Ähnliches.
Das Spiel hat zwei Runden: In der ersten Runde rennen alle Gruppenmitglieder nach einem Startzeichen zu ihren Karten. Jede/r dreht eine Karte um, merkt sich die Abbildung und rennt zurück zur Linie. Dort zeichnen alle ihre Karte auf ein Blatt Papier (Tipp: Nicht nur das Bild, sondern auch den farblichen Hintergrund malen).
In der zweiten Runde läuft je ein Gruppenmitglied wieder zum Wendepunkt, nimmt sich eine Karte, läuft zurück zur Linie und ordnet diese mithilfe der anderen Gruppenmitglieder der passenden Zeichnung zu. Jetzt darf die/der Nächste eine Karte holen usw. bis alle Karten den Zeichnungen zugeordnet sind. Es gewinnt die Gruppe, die als erstes alle Karten geholt und richtig zugeordnet hat. Nun versucht jede Gruppe, Paare zu finden. Danach bestimmt die Lehrperson eine Gruppe, die mit der nächsten Aufgabe beginnt: «Beschreibt ohne zu bewerten, was ihr auf den Bildern seht; vielleicht auch, woran es euch erinnert oder welche Gefühle es auslöst. Es interessiert dabei nicht, was jede/r Einzelne darüber denkt und was es für sie/ihn oder andere bedeutet.». Das ist gar nicht so einfach! Anschliessend ist die nächste Gruppe dran usw. Am Ende diskutieren alle gemeinsam das Erlebte und die Bilder.
Spielziel: Wertfreies Beschreiben und Beobachten üben; Vorurteile und Stereotype erkennen und reflektieren
Anzahl Teilnehmende: 6+
Alter: 12+
Dauer: 45’
Material: Druckvorlage: Bilder und Hinweise zum Memo-Spiel (pdf), bunte Stifte
Mögliche Fragen
- War es schwierig, wertfrei zu beschreiben und zu beobachten?
- Was denkst du über die Abbildungen, Themen und kulturellen Besonderheiten auf den Bilderpaaren? Welche Gefühle und Vorstellungen löst es bei dir aus? Warum und mit welchem Zweck?
- Wer hat erkannt, dass eine Aussage von euch ein Vorurteil oder Stereotyp ist?
- Wodurch sind eure Beschreibungen und Bewertungen geprägt? Z.B. durch eigene Erfahrungen mit Ritualen, Personen und in anderen Ländern; durch Erzählungen von Freunden/-innen, (Gross-)Eltern, Geschwistern; durch Social Media, Fernsehen oder Geschichten in Büchern?
- Kann jemand eine Geschichte oder ein eigenes Erlebnis zu einem Bild(erpaar) erzählen?
einfacher
- Spiel ohne Bewegung und ohne Zeitdruck an einem Tisch oder im Kreis auf dem Boden durchführen
schwieriger
- Laufstrecke und Anzahl Memo-Paare erhöhen
- Bewegungsaufgaben in die Stafette integrieren (z.B. Ball prellen, Hindernislauf)
Impulse
- Es ist normal, dass wir beim Beobachten und Beschreiben – meist unbewusst – bewerten und urteilen. Wichtig ist, dass wir dies erkennen und uns damit auseinandersetzen. Erst dann fallen uns Verallgemeinerungen, negative Vorurteile, Stereotype oder stereotype Überzeugungen auf und wir können diese hinterfragen.
- Hinterfragen wir unsere Vorstellungen oder Einstellungen, so haben wir weniger Vorbehalte gegenüber Dingen, Situationen, Personen oder kulturellen Besonderheiten, die uns «fremd» oder «untypisch» erscheinen (wie z.B. auf einem Memo-Bild).
- Das «Fremde» oder Unbekannte, kann uns Angst machen, weil wir es nicht kennen. Sich begegnen und austauschen hilft, mit jeder/jedem in einer kulturell vielfältig geprägten Sportgruppe in Verbindung zu kommen, sie/ihn besser kennen sowie verstehen zu lernen, Berührungsängste und Vorurteile abzubauen.
- Alle haben das Recht, ihre Meinung zu etwas, was sie betrifft, frei zu äussern. Wichtig ist, dass wir uns bewusst machen, welche Stereotype und Überzeugungen damit assoziiert sind und wieso wir diese haben bzw. verteidigen.
- Versuche, die Sicht der/des anderen zu verstehen. Mach auch darauf aufmerksam, wenn du mit einer Meinung nicht einverstanden bist.
- Neue Geschichten und Erzählungen machen uns offener und vorbehaltloser.
- Sind wir motiviert, uns vorurteilsfrei zu verhalten, dann können wir uns besser kontrollieren und nutzen seltener Stereotype.
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