Fokus ADHS – Bewegung als Chance

Praxis-Tools für Training und Unterricht

Neben der Haltung und der Gestaltung von Rahmenbedingungen können auch Übungen, Materialien und Organisationsformen gezielt angepasst werden. Oft reichen kleine Veränderungen, um Kindern und Jugendlichen mit ADHS die Teilnahme zu erleichtern und ihre Stärken im Sport besser zur Geltung zu bringen.

Foto: PluSport

Übungen und Spiele anpassen

Nicht jede Aktivität funktioniert für alle Kinder gleich gut. Oft helfen kleine Anpassungen, um die Teilnahme zu erleichtern. Das Modell 6+1 des adaptiven Sportunterrichts nach Thiemann kann hier Orientierung bieten  (siehe Inklusive J+S-Aktivitäten).

Mögliche Anpassungen:

Materialien

  • Symbole/Piktogramme auf Karten oder Stationen
  • Visualisierte Ablaufpläne an der Wand oder auf Tablets
  • Handliche Materialien, die sich leicht greifen oder bewegen lassen z.B. Successball
  • Materialien für kurze, aktive Überbrückungsübungen

Regeln

  • Weniger Regeln pro Übungseinheit
  • Wiederkehrende Rituale
  • Regeln gemeinsam entwickeln lassen, damit alle Spass haben

Lernumfeld

  • klar abgegrenzte Bewegungsbereiche
  • reizarme Umgebung (Reduzierung von Ablenkungen z. B. nur Material für die aktuelle Übung bereitstellen)
  • Ruhe- oder Rückzugsplätze für kurze Pausen (Sicherstellen, dass die Pausen auch gemacht werden. Je nachdem eine zweite Person dazunehmen und eine ruhige Beschäftigung anordnen z.B. ein Memory o.ä.)
  • Strukturierte Übergänge zwischen Übungen/Stationen
  • Standort bei Erklärungen bewusst wählen (direkter Sichtkontakt, keine Gegenstände in der Hand)

Aufgabenstellung

  • Aufgaben in kleine Teilschritte unterteilen
  • Wahlmöglichkeiten innerhalb der Aufgabe anbieten

Sozialformen

  • Partner- oder Kleingruppenarbeit (Tandem-System)
  • Kooperative Spiele statt Wettkampffokus
  • Rollen mit Verantwortung vergeben (z. B. Punkteschreiber, Regelhüter)
  • Gruppenzusammenstellung beachten (ruhige Kinder mit eher aktiven mischen)

Kommunikation

  • Kurze, klare Ansagen
  • Direkte Ansprache des Kindes, ggf. Blickkontakt
  • Positive Verstärkung statt Kritik
  • Visualisierte Hinweise (Piktogramme, Farben) ergänzend einsetzen
  • Feedback in kleinen, klaren Portionen
  • Fortschritte sichtbar machen (Videoaufnahmen, Lernjournal)

Checkliste: Tipps für Leitende

  • Offene Haltung: Kinder ernst nehmen, Stärken sehen, wertschätzend reagieren
  • Klare Struktur: Abläufe visualisieren, Rituale einführen, Zeitpläne nutzen
  • Kurze Erklärungen: Anweisungen klar, einfach und auf das Wesentliche beschränkt
  • Bewegung einplanen: Wartezeiten reduzieren, kurze aktive Pausen einbauen.
  • Positive Verstärkung: Fortschritte und Anstrengung gezielt loben, kleine Belohnungen einsetzen
  • Anpassungen bei Übungen: Intervalle kürzen, Gruppen verkleinern, Regeln vereinfachen
  • Impulsivität begleiten: Ruhig reagieren, klare Grenzen setzen, alternative Handlungsmöglichkeiten anbieten
  • Soziale Interaktion fördern: Kooperative Spiele, Partnerübungen, feste Rollenzuteilungen
  • Stärken nutzen: Energie, Kreativität und Begeisterung bewusst einbeziehen.
  • Eltern/Fachpersonen einbeziehen: Austausch über Bedürfnisse, Fortschritte und Strategien
  • Reizarme Umgebung: Bei Erklärungen möglichst reizarme Umgebung wählen

Unterlagen und Tools

Sport und Behinderung bei Jugend+Sport

«Das gemeinsame Sporttreiben von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen innerhalb eines Vereins oder einer Jugendorganisation ist für J+S ein wichtiges Mittel zur Förderung von Inklusion», so leitet J+S die Thematik auf ihrer Webseite ein. Hier finden Sportleitende unter anderem Weisungen zur Generierung zusätzlicher Beiträge oder Merkblätter zum integrativen Handeln oder zur inklusiven Gestaltung von J+S Angeboten.

Organisations-Hilfen

Welche finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten gibt es für inklusive Sportangebote für Sportvereine? Antworten zu dieser und anderen häufig gestellten Fragen gibt’s hier:


«Wenn die Emotionen hochgehen, ist Selbstregulation für Kinder mit ADHS oft besonders schwierig. In solchen Momenten hilft es nicht, auf das Kind einzureden oder fortlaufend zu argumentieren. Wichtiger sind Ruhe, Abstand und klare, kurze Botschaften.»


Betroffene erzählen

Eine J+S-Teilnehmende mit ADHS sowie eine Lehrperson berichten über ihre persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen im Sportalltag.