Verlässlich oder unsicher?
Das Spiel thematisiert Voraussetzungen von Verlässlichkeit und das Übernehmen von Verantwortung füreinander. Gleichzeitig stärkt es das Gefühl von Sicherheit.
Fallendes Brett
6 Personen stellen sich Schulter an Schulter auf und bilden einen engen Kreis. Eine Person (P1) stellt sich in die Mitte und macht sich steif wie ein Brett. P1 lässt sich beliebig in eine Richtung fallen. Die anderen fangen das Brett sicher an den Schultern auf und geben P1 möglichst schnell Sicherheit, indem sie «Ich halte dich!» rufen. Dann stellen sie das Brett wieder auf. Rollenwechsel, sodass alle einmal «das fallende Brett» sein dürfen.
Variationen
- Die Gruppe steht nah zusammen. P1 macht kleine Bewegungen.
- Bildet Gruppen aus Teilnehmenden mit ähnlicher Grösse und ähnlichem Gewicht.
- P1 hat die Augen geschlossen und/oder lässt sich in die Richtung fallen, von der sie/er gerufen wird.
- Das «fallende Brett» stets in Bewegung halten und immer weiterreichen.
Reflexionsfragen
Fragen an P1:
- Wie hat sich Fallenlassen angefühlt (Spannung, Unsicherheit, Angst, Entspannung, Erleichterung…)? Haben sich diese Gefühle mit der Zeit verändert? Wenn ja, wie?
- Hat sich das Fallenlassen in alle Richtungen gleich angefühlt? Wenn nein, weshalb nicht?
- Wie hat sich Halten angefühlt? Was gab mir Sicherheit? Was verunsicherte mich?
- Hat es mir geholfen, dass die Haltenden jeweils riefen «Ich halte dich»? Weshalb ja/nein?
Fragen an die Gruppe:
- Wie hat sich (körperliche) Nähe für euch angefühlt?
- Wann fühlt sich körperliche Nähe angenehm, wann unangenehm an?
- Woran hab t ihr gemerkt, dass ihr Verantwortung trägst? Wie seid ihr mit der Verantwortung umgegangen?
- Was braucht es, um Halt zu spüren oder um Halt zu geben?
- Was braucht es, um Vertrauen aufzubauen?
- Was war herausfordernder: sich fallen zu lassen oder andere zu halten?
- Wo in eurem Sportalltag seid ihr manchmal auf Halt angewiesen – oder könnt ihr Halt geben?
- Was ist euch im Umgang mit Körperkontakt wichtig?
Impulse
- Es ist Aufgabe der leitenden Person, einen sicheren Erfahrungsraum zu schaffen (klare Absprachen und das Gewährleisten von Sicherheit)..Eine verbale Begleitung während der Übung, kann Orientierung und Sicherheit geben.
- Nähe braucht Klarheit (Wer hält? Wo? Wie?) und Zustimmung («Ich fühle mich in der aktuellen Situation wohl»).
- Es ist Aufgabe der Gruppe während der Übung die Verantwortung für P1 zu übernehmen. Sicherheit entsteht hier durch Zusammenarbeit: durch klare Absprachen (Regeln), Aufmerksamkeit (alle sind präsent), ruhige Kommunikation («ich halte dich») und Freiwilligkeit (kein Zwang).
- Vertrauen braucht klare Regeln und verlässliches Verhalten. D.h. Vertrauen wächst, wenn Worte und Handeln übereinstimmen (hier: «Ich werde gehalten, die Gruppe übernimmt die Verantwortung für mich.»).
- Über gemeinsame Erfahrungen entstehen Vertrauen, Zugehörigkeit sowie soziale Kompetenzen.
- Der Körperkontakt innerhalb der Gruppe ist funktional und sicherheitsrelevant. Gleichzeitig erleben Menschen Körperkontakt und diese Form von Nähe unterschiedlich. Nur weil etwas sicher gemeint ist, heisst es nicht, dass es sich für alle gleich sicher anfühlt. Du darfst selbst bestimmen, wie sich Nähe anfühlt und wie viel Nähe für dich stimmt. Jede Grenze ist gültig.
- Es verbindet und stärkt das gegenseitige Vertrauen, wenn man seine Angst äussert, die Ängste anderer kennt und respektiert.
- Klare, beruhigende Worte stärken das Sicherheitsgefühl («Ich halte dich.»)
Taktvoll oder unsensibel?
Die Übung thematisiert den persönlichen Schutzraum und individuelle Grenzen.
Achtsam oder unklar?
Die Übung bietet Raum für Selbstwahrnehmung und ermöglicht, die aktuelle Befindlichkeit zu spüren (Stimmung, körperliche Verfassung etc.).
Schützend oder gleichgültig?
Das Spiel thematisiert den Bedarf an Hilfe, Schutz, Verantwortung und Perspektivenübernahme. Es fördert die Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen.
Tragend oder unvorsichtig?
Die Übung fördert gemeinsame Verantwortungsübernahme, fördert gegenseitiges Vertrauen und stärkt das Gefühl von Verbundenheit.
Einbindend oder ausgrenzend?
Das Spiel macht das Spannungsfeld von Nähe und Distanz im Sport direkt erlebbar. Nicht über körperliche Nähe, sondern über soziale und emotionale Distanz.
