Wertvoller Sport praktisch umgesetzt – Nähe und Fürsorge

Tragend oder unvorsichtig?

Die Übung fördert gemeinsame Verantwortungsübernahme, fördert gegenseitiges Vertrauen und stärkt das Gefühl von Verbundenheit.

Förderband

Förderband

Acht bis maximal 14 Teilnehmende bilden 2 Linien und stehen sich im Abstand von 0,5m gegenüber. Nun legen sie ihre Unterarme im Reissverschlusssystem ineinander. Die Handflächen zeigen nach oben. Eine Person (P1) steigt auf ein Kastenteil, das etwa die Höhe des «Förderbands» hat. Mit ausgestreckten Händen legt sich P1 vorsichtig auf die Hände und Arme der anderen. Jetzt wird die «Last» eine bestimmte Strecke getragen und auf einem zweiten Kastenteil wieder herabgelassen. Das Förderband läuft solange, bis alle transportiert wurden.

Bemerkungen

  • Eine Decke über den Händen kann den direkten Körperkontakt verringern.
  • P1 kann zwischen den zwei Varianten wählen (V1: ohne Decke auf Förderband, V2: mit Decke auf Förderband). Bei Wahl der V2 nachfragen, ob ein weiterer Durchgang mit V1 gewünscht wird. Vertrauen und Verbundenheit können sich Schritt für Schritt weiterentwickeln

Variationen

  • Anstatt getragen zu werden, beobachten
  • Anstatt die volle Strecke, eine Teilstrecke absolvieren

Reflexionsfragen

  • Was vermute ich: Wie hat sich die Situation für die anderen Beteiligten angefühlt?
  • An P1: Wie hat es sich angefühlt, getragen zu werden? Was hat die Nähe ausgelöst? Wann war Nähe angenehm, wann herausfordernd?
  • Wie hat es sich angefühlt, gemeinsam als «Reissverschluss» für eine Person verantwortlich zu sein? Was gab euch Sicherheit, dass ihr P1 gemeinsam tragen könnt?
  • Wie hat der «Reissverschluss» funktioniert?
  • Welche Unterschiede habt ihr (beim Tragen der einzelnen Personen) wahrgenommen? Woran könnte das liegen?
  • Falls ich beide Rollen (P1 und Teil des Reisverschlusses) erlebt habe: Welche Unterschiede gab es in den Rollen? Hat sich das Erleben in der anderen Rolle verändert? Weshalb?
  • Wie entsteht Vertrauen? Was stärkt oder schwächt Vertrauen?
  • Wo im (Sport-)Alltag bin ich auf andere angewiesen? Was ist mir dabei wichtig?

Impulse

  • Es ist die Aufgabe der Gruppe (Reissverschluss) achtsam und rücksichtsvoll mit P1 umzugehen. Jeder einzelne Beitrag zählt – auch wenn er klein wirkt. Dadurch kann P1 erfahren, dass sich Körperkontakt im Rahmen der Bewegungsaktivität schützend und verbindend anfühlen kann.
  • Vertrauen entwickelt sich unterschiedlich schnell. Einige bauen Vertrauen rasch auf, andere benötigen mehr Zeit oder mehrere positive Erfahrungen.
  • Vertrauen entsteht nicht nur durch Worte, sondern durch Verhalten, Verlässlichkeit und Sicherheit. Gemeinsame positive Erfahrungen stärken Vertrauen und Verbundenheit.
  • Das Erleben von und der Umgang mit körperlicher und emotionaler Nähe sind individuell und situativ abhängig. Signale wie Spannung, Unwohlsein oder Unsicherheit verdienen Aufmerksamkeit und Respekt, bei dir aber auch bei anderen.
  • Ob sich körperliche Nähe angenehm anfühlt, kann auch von der Tagesform, bisherigen Erfahrungen oder dem Vertrauen zur Gruppe beeinflusst werden.
  • P1 (getragene Person) entscheidet, wann und wie sie getragen werden will. Auch die Tragenden dürfen sagen, wenn es nicht (mehr) geht. Alle dürfen mitbestimmen, was sich für sie richtig anfühlt.
  • Du darfst deine Grenzen oder Unsicherheiten ernst nehmen – auch ohne sie zu erklären.
  • Vertrauen in eine Gruppe meint auch, entgegen den Erwartungen entscheiden zu dürfen (hier z.B.: auch wenn jemand nicht mitmacht und es bei dieser Variante bleibt, braucht es Wertschätzung und Verständnis).

Taktvoll oder unsensibel?

Die Übung thematisiert den persönlichen Schutzraum und individuelle Grenzen.

Achtsam oder unklar?

Die Übung bietet Raum für Selbstwahrnehmung und ermöglicht, die aktuelle Befindlichkeit zu spüren (Stimmung, körperliche Verfassung etc.).

Schützend oder gleichgültig?

Das Spiel thematisiert den Bedarf an Hilfe, Schutz, Verantwortung und Perspektivenübernahme. Es fördert die Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen.

Tragend oder unvorsichtig?

Die Übung fördert gemeinsame Verantwortungsübernahme, fördert gegenseitiges Vertrauen und stärkt das Gefühl von Verbundenheit.

Einbindend oder ausgrenzend?

Das Spiel macht das Spannungsfeld von Nähe und Distanz im Sport direkt erlebbar. Nicht über körperliche Nähe, sondern über soziale und emotionale Distanz.

Verlässlich oder unsicher?

Das Spiel thematisiert Voraussetzungen von Verlässlichkeit und das Übernehmen von Verantwortung füreinander. Gleichzeitig stärkt es das Gefühl von Sicherheit.

Wertvoller Sport praktisch umgesetzt – Nähe und Fürsorge: Fürsorglich oder unpassend?

Die Übung ermöglicht das Unterscheiden zwischen notwendiger, unpassender und aufdringlicher Hilfe.