Taktvoll oder unsensibel?
Die Übung thematisiert den persönlichen Schutzraum und individuelle Grenzen.
Mein Schutzraum
Es werden Zweierteams gebildet. Person 1 (P1) legt mit einem Seil (2-3m lang) einen Kreis um sich auf den Boden. P1 stellt sich in ihren Kreis und spürt nach, wie sich der Abstand aktuell anfühlt: Eng, weit, sicher, unsicher. P1 passt den Kreis an, bis es sich stimmig anfühlt (persönlicher Schutz- und Wohlfühlraum). Dann geht Person 2 (P2) langsam auf P1 zu:
- Aufrecht, von vorne
- Seitlich
- Von hinten
- Mit/ohne Blickkontakt
P1 sagt jeweils klar «Stopp» wenn die Grenze erreicht ist. Auch P2 hat die Möglichkeit «Stopp» zu sagen, wenn ihre Grenze erreicht ist. Ausser dem Stopp-Signal wird während der ganzen Übung nicht gesprochen. Beide Personen spüren nach, wie sie den gegenseitigen Abstand wahrnehmen. Rollentausch.
Bemerkung
- Persönliche Grenzen werden im Alltag nur selten kommuniziert. Deshalb ist es besonders wichtig, dass während der Übung nicht gesprochen wird.
Variationen
- Die Übung mit unterschiedlichen Personen aus der Gruppe durchführen
- Die Übung ohne Seil durchführen. P1 und P2 stehen sich mit 4-5m Abstand gegenüber. P1 bleibt stehen, P2 kommt langsam auf P1 zu. P1 sagt laut «Stopp», wenn die persönliche Grenze erreicht ist.
- Die Übung nur nonverbal durchführen (Handzeichen, Körperhaltung)
Reflexionsfragen
- Wie habe ich mich während der Übung gefühlt?
- Wie hat sich mein Schutzraum angefühlt? Wann war es angenehm, wann unangenehm?
- Wie leicht oder schwer fiel das Stopp-Sagen? Was hätte mir geholfen, meine Grenze noch deutlicher zu zeigen?
- Welche Signale habe ich gesendet? Wurden sie wahrgenommen?
- Wie habe ich wahrgenommen, dass mein Gegenüber eine Grenze gesetzt hat, wenn nicht gesprochen wurde?
- Was habe ich Neues (über mich) erfahren?
- Wie wichtig ist das Gegenüber bei dieser Übung? Was habe ich über die Grenze der anderen gelernt?
- Im (sportlichen) Alltag: Wie zeige ich persönliche Grenzen? Wie kommuniziere ich sie?
- In der Gruppe besprechen: Wie habt ihr den Abstand bei der Übung wahrgenommen – warum gibt es Unterschiede?
- Was möchte ich mir merken, wenn es um Nähe geht?
Impulse
- Es ist Aufgabe der leitenden Person einen Raum zu schaffen, in dem Grenzen gezeigt und respektiert werden. Grenzen dürfen nicht bewertet werden. Niemand soll sich für seine Grenzen rechtfertigen oder verteidigen müssen.
- Den Mut aller Teilnehmenden wertzuschätzen, kann unterstützen. Das Setzen von Grenzen oder das Äussern eines «Stopp» erfordert oftmals Überwindung und verdient Anerkennung.
- Beide Personen achten auf die Grenzen ihres Gegenübers und respektieren das «Stopp» sofort.
- P2 trägt die Verantwortung für eine achtsame Annäherung. Der gelegte Kreis hilft, persönliche Grenzen sichtbar und spürbar zu machen.
- Menschen empfinden Nähe unterschiedlich. Eine gleiche Situation kann als angenehm, unsicher oder unangenehm wahrgenommen werden. Grenzen sind situativ, nicht starr und können sich verändern. Wie Nähe erlebt wird, hängt auch davon ab, von welcher Person sie ausgeht und kann je nach Beziehung, Vertrauen und Kontext unterschiedlich wahrgenommen werden.
- Blickkontakt, Richtung und Tempo beeinflussen das Näheempfinden. Manchmal lohnt es sich, Handlungen zu entschleunigen. Das verschafft Zeit, um zu reagieren oder nonverbale Signale wahrzunehmen.
- Jede Grenze verdient Respekt – ohne Fragezeichen. Du bestimmst selbst, wie nah jemand kommen darf.
- Niemand muss Nähe aushalten. Persönliche Grenzen dürfen jederzeit verändert oder kommuniziert werden.
- Das vereinbarte «Stopp» schafft Klarheit und Orientierung. Ein «Stopp» schützt dich und hilft anderen deine Grenzen zu respektieren.
- Du hast das Recht, persönliche (unsichtbare) Grenzen zu kommunizieren und mitzuteilen, was sich für dich sicher anfühlt.
Taktvoll oder unsensibel?
Die Übung thematisiert den persönlichen Schutzraum und individuelle Grenzen.
Achtsam oder unklar?
Die Übung bietet Raum für Selbstwahrnehmung und ermöglicht, die aktuelle Befindlichkeit zu spüren (Stimmung, körperliche Verfassung etc.).
Schützend oder gleichgültig?
Das Spiel thematisiert den Bedarf an Hilfe, Schutz, Verantwortung und Perspektivenübernahme. Es fördert die Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen.
Tragend oder unvorsichtig?
Die Übung fördert gemeinsame Verantwortungsübernahme, fördert gegenseitiges Vertrauen und stärkt das Gefühl von Verbundenheit.
Einbindend oder ausgrenzend?
Das Spiel macht das Spannungsfeld von Nähe und Distanz im Sport direkt erlebbar. Nicht über körperliche Nähe, sondern über soziale und emotionale Distanz.