Wertvoller Sport praktisch umgesetzt – Nähe und Fürsorge

Einbindend oder ausgrenzend?

Das Spiel macht das Spannungsfeld von Nähe und Distanz im Sport direkt erlebbar. Nicht über körperliche Nähe, sondern über soziale und emotionale Distanz.

Ausgrenzung erfahren

Ausgrenzung erfahren

Die Teilnehmenden spielen sich untereinander frei einen Ball zu, rufen sich beim Namen und kommunizieren miteinander (fordern sich heraus, loben einander). Alle versuchen, sich immer wieder als Ballfängerin oder -fänger anzubieten. Jeweils eine Person ist farblich markiert (P1, z. B. mit einem Bändel). Diese wird ignoriert und nicht angespielt. Trotzdem bietet sie sich immer wieder an und erfährt so Ausgrenzung. P1 wird regelmässig ausgewechselt (z. B. nach einer Minute).

Bemerkungen

  • Die leitende Person weist klar darauf hin, dass die Ausgrenzungserfahrung ein bewusster Teil der Übung ist. Die Übung kann emotionale Auswirkungen auf die Teilnehmenden haben (z.B. Gefühle von Scham, Frust, Rückzug etc.). Die ausgegrenzten Personen (P1, evtl. P2) haben jederzeit die Möglichkeit, die Übung abzubrechen, ohne sich erklären zu müssen.
  • Die Übung kann Menschen triggern, die einschneidende Ausgrenzungserfahrungen aus dem eigenen Leben kennen. Deshalb ist es wichtig, dass ausgegrenzte Personen die Rolle als P1 selbst wählen.
  • Falls die leitende Person P1 auswählt, achtet sie darauf, dass es eine gut integrierte Person ist.
  • Zum Schluss nochmals ein freies Ballspiel absolvieren, wobei jeder und jede darauf achtet, alle ins Spiel zu integrieren.

Variationen

  • Pässe dürfen von allen abgefangen werden (schwieriger)
  • Es gibt zwei Personen (P1, P2), die ausgegrenzt werden
  • Die Kommunikation erfolgt ausschliesslich nonverbal. Vor jedem Pass muss bewusst Blickkontakt zur angespielten Person hergestellt werden
  • Eine Person (P3) beobachtet die Übung zunächst von aussen und erhält keine Informationen über die Rollen oder den Hintergrund der Übung.

Reflexionsfragen

Fragen an P1:

  • Wie habe ich mich gefühlt, als ich nicht angespielt wurde?
  • Gab es Momente, in denen ich aufgeben wollte? Warum (nicht)? Was hätte mir in dieser Situation geholfen?
  • Was hilft mir im Alltag, wenn ich real ausgegrenzt werde?

Fragen an P3:

  • Was hast du wahrgenommen?
  • Wem galt deine Aufmerksamkeit?
  • Welche Dynamiken sind dir aufgefallen?
  • Welche Rolle hättest du selbst eingenommen?

Fragen an die Gruppe:

  • Wie war es für euch, eine Person bewusst zu ignorieren?
  • Wie ist es, jemanden auszugrenzen und gleichzeitig stärker mit den anderen verbunden zu sein?
  • Welche Bedeutung hatten Blickkontakt, Mimik oder Körpersprache während der Übung?
  • Welche (nonverbalen) Reaktionen habt ihr bei den ausgegrenzten Personen (P1) festgestellt?
  • Woran merkst du im Alltag, dass jemand ausgeschlossen wird?
  • Was hilft, wenn jemand ausgegrenzt wird?
  • Was gibt dir im Alltag das Gefühl, dazuzugehören? Wodurch fühlst du dich in einer Gruppe willkommen?
  • Welche Verantwortung tragen Personen, die Ausgrenzung beobachten, aber selbst nicht aktiv daran beteiligt sind?
  • Wie möchten wir miteinander umgehen?
  • Was verändert sich, wenn zwei Personen ausgegrenzt werden?

Impulse

  • Es ist Aufgabe der leitenden Person, einen Raum zu schaffen, in welchem alle gesehen, respektiert und ernst genommen werden.
  • Es ist Aufgabe der leitenden Person, Ausschlussdynamiken wahrzunehmen, zu benennen und frühzeitig einzugreifen. Auch Nicht-Beachten, bewusstes Übersehen oder stilles Ignorieren sind Formen von Ausgrenzung.
  • Ausschluss ist meist ein Gruppenprozess. So hast auch du Einfluss darauf, wie andere sich in der Gruppe fühlen z.B. ob sie sich gesehen oder ausgeschlossen fühlen.
  • Nähe entsteht nicht nur körperlich, sondern wird auch durch das Verhalten beeinflusst. Ein Pass, ein Zuruf oder ein Blick können Nähe herstellen. Ihr systematisches Ausbleiben erzeugt Distanz und kann verletzend wirken. Jemand kann räumlich mittendrin sein und dennoch nicht dazugehören.
  • Deine Gefühle sind berechtigt. Gefühle sind Informationen, keine Störungen.
  • Über gemachte Erfahrungen in der Gruppe zu sprechen kann helfen, die erlebten Emotionen besser einzuordnen und zu verarbeiten. Entscheide selbst, was für dich stimmig ist. Teilen oder nicht Teilen, beides ist OK.
  • Ein «gutes Mass» an Nähe heisst auch, alle einzubeziehen und niemanden dauerhaft auf Distanz zu halten. Gleichzeitig braucht es Sensibilität dafür, wann Distanz (z.B. Rückzugsmöglichkeiten) sinnvoll und schützend ist.
  • Du hast jederzeit das Recht auf Schutz und faire, gleichwertige Behandlung. Bei Ausgrenzung darfst du dir Unterstützung holen.


Taktvoll oder unsensibel?

Die Übung thematisiert den persönlichen Schutzraum und individuelle Grenzen.

Achtsam oder unklar?

Die Übung bietet Raum für Selbstwahrnehmung und ermöglicht, die aktuelle Befindlichkeit zu spüren (Stimmung, körperliche Verfassung etc.).

Schützend oder gleichgültig?

Das Spiel thematisiert den Bedarf an Hilfe, Schutz, Verantwortung und Perspektivenübernahme. Es fördert die Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen.

Tragend oder unvorsichtig?

Die Übung fördert gemeinsame Verantwortungsübernahme, fördert gegenseitiges Vertrauen und stärkt das Gefühl von Verbundenheit.

Einbindend oder ausgrenzend?

Das Spiel macht das Spannungsfeld von Nähe und Distanz im Sport direkt erlebbar. Nicht über körperliche Nähe, sondern über soziale und emotionale Distanz.

Verlässlich oder unsicher?

Das Spiel thematisiert Voraussetzungen von Verlässlichkeit und das Übernehmen von Verantwortung füreinander. Gleichzeitig stärkt es das Gefühl von Sicherheit.

Wertvoller Sport praktisch umgesetzt – Nähe und Fürsorge: Fürsorglich oder unpassend?

Die Übung ermöglicht das Unterscheiden zwischen notwendiger, unpassender und aufdringlicher Hilfe.