Fürsorglich oder unpassend?
Die Übung ermöglicht das Unterscheiden zwischen notwendiger, unpassender und aufdringlicher Hilfe.
Helfen – nur wenn es passt
Es werden 3er-Gruppen gebildet. Jede Person erhält eine andere Rolle.
- P1: ausführende Person
- P2: fürsorgliche Person
- P3: beobachtende Person
P1 führt eine einfache, aber leicht unsichere Bewegungsaufgabe aus, zum Beispiel.:
- Balancieren auf schmaler Linie / Bank
- Langsames Aufstehen vom Boden ohne Hände
- Kontrollierte Kniebeuge auf instabilem Untergrund
- Dehnposition an individueller Grenze
- eine sportartspezifische Herausforderung
Bemerkungen
- P1 bekommt keine Instruktion, Hilfe einzufordern – sie darf, muss aber nicht.
- P2 steht ganz nahe bei P1 und hat die Aufgabe, fürsorglich zu sein: beobachten, Abstand wahren, nicht unaufgefordert anfassen, erst helfen, wenn:
- Hilfe eingefordert wird oder
- eine reale Unsicherheit / Gefahr entsteht oder
- ein klares nonverbales Signal erkennbar ist
- P3 beobachtet und beschreibt im Anschluss, was ihr aufgefallen ist.
Jüngere Kinder konzentrieren sich auf einen der aufgelisteten Punkte. Ältere Kinder (ca. 10+) können sich zusätzlich auf folgende Punkte achten:
- Nähe / Distanz zwischen P1 und P2
- Zeitpunkt und Art der Unterstützung durch P2
- Körpersprache beider Personen
- Reaktion von P1 auf die Hilfe von P2
- Rollen wechseln, sodass jede Person mindestens einmal die fürsorgliche Person ist.
Reflexionsfragen
Fragen an P1:
- Wann habe ich mich sicher gefühlt? Warum?
- Wann hat sich Unterstützung für mich hilfreich angefühlt, wann eher aufdringlich oder unangenehm?
- Wie wichtig war der Zeitpunkt der Hilfe?
Fragen an P2:
- Wann kam der Impuls einzugreifen?
- Gab es Momente, in denen ich helfen wollte, obwohl keine Hilfe nötig war? Warum?
- Was war schwieriger: helfen oder abwarten? Warum?
- Woran habe ich gemerkt, ob meine Hilfe passend war?
Fragen an P3:
- Wie wirkte frühes vs. spätes Eingreifen?
- Woran habe ich erkannt, ob die Unterstützung hilfreich, unpassend oder aufdringlich war?
Impulse
- Es ist Aufgabe der fürsorglichen Person (hier P2), Sicherheit zu gewährleisten, ohne den ausführenden Personen (hier P1) den Handlungsspielraum und die Eigenverantwortung abzunehmen. P2 schafft Bedingungen, in denen Hilfe möglich aber nicht aufgedrängt ist.
- Wer Einfluss hat, übernimmt Verantwortung (hier P2).
- Notwendige Hilfe ist unterstützend und gibt Sicherheit, ohne Grenzen zu überschreiten oder Abhängigkeiten zu verstärken. Sie orientiert sich immer an den Bedürfnissen der hilfesuchenden Person. Diese Hilfe bewahrt deine Selbstwirksamkeit (Vertrauen in dich selbst).
- Gut gemeinte Hilfe wird nicht automatisch als hilfreich erlebt. Hilfe kann stärken, aber auch dazu führen, dass Menschen sich weniger zutrauen. Deshalb ist es wichtig, Unterstützung nur so weit anzubieten, wie sie tatsächlich benötigt wird.
- P2 achtet darauf, dass P1 ihr eigenes Tempo während der Bewegung bestimmen kann.
- Wer auf verbale und nonverbale Signale achtet, respektiert persönliche Grenzen. Ein Zögern oder Unwohlsein genügt, um die Unterstützung anzupassen oder zu stoppen.
- Bei Hilfestellungen findet die gegenseitige Kommunikation vor, während und nach der Übung statt.
- Wie Hilfe wahrgenommen wird, kann von aussen anders eingeschätzt werden als von der Person, die die Unterstützung erhält.
- Unfallprävention durch zielgerichtete Sicherungstechniken geht dem Schutz vor Berührungen vor.
- Du hast das Recht, Hilfe anzufordern aber auch abzulehnen. Hilfe soll dich stärken.
Taktvoll oder unsensibel?
Die Übung thematisiert den persönlichen Schutzraum und individuelle Grenzen.
Achtsam oder unklar?
Die Übung bietet Raum für Selbstwahrnehmung und ermöglicht, die aktuelle Befindlichkeit zu spüren (Stimmung, körperliche Verfassung etc.).
Schützend oder gleichgültig?
Das Spiel thematisiert den Bedarf an Hilfe, Schutz, Verantwortung und Perspektivenübernahme. Es fördert die Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen.
Tragend oder unvorsichtig?
Die Übung fördert gemeinsame Verantwortungsübernahme, fördert gegenseitiges Vertrauen und stärkt das Gefühl von Verbundenheit.
Einbindend oder ausgrenzend?
Das Spiel macht das Spannungsfeld von Nähe und Distanz im Sport direkt erlebbar. Nicht über körperliche Nähe, sondern über soziale und emotionale Distanz.
